Jonathan Coe: Middle England

Mit großem Unverständnis haben wir wohl Alle in den vergangenen Monaten den Brexit verfolgt, und EIGENTLICH hatte ich überhaupt keine Lust, jetzt auch noch einen Roman zu diesem Thema zu lesen.
Aber: Ignorieren ist auch keine Lösung! Und also habe ich dann doch den neuen Roman von Joathan Coe gelesen, dem der Ruf als ein herausragender britischer Gesellschaftsroman vorausging. Und tatsächlich: Ähnlich wie Juli Zeh in 'Unterleuten' die deutsche Befindlichkeit einfängt, liefert Jonathan Coe in 'Middle England' eine vielschichtige Analyse der aktuellen britischen Gesellschaft.
Im Mittelpunkt des Romans steht Benjamin Trotter, der sich als Schriftsteller ins ländliche England zurückzieht, und von dort aus auf das Auseinanderdriften der britischen Gesellschaft blickt, und dabei erkennen muss, dass die tiefer werdenden Gräben bis in seine eigene  Familie hineinreichen.
Kenntnisreich und immer wieder auch herrlich ironisch zeigt Jonathan Coe auf, dass die Ursachen der Schieflage in der britischen Gesellschaft bis in die Thatcher-Ära zurückreichen.
Wenn Sie jenseits aller tagespolitischen Aufgeregtheiten begreifen wollen, wie es zum Brexit kommen konnte, lesen Sie diesen großartigen Roman.

Buchtipp von Uscha Kloke

Coe, Jonathan
Folio Verlag
ISBN/EAN: 9783852568010
25,00 € (inkl. MwSt.)