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Jens Liljestand: Der Anfang von morgen

Gleich zu Beginn die Warnung: Dieser Roman hat eine Wucht und entwickelt zugleich einen solch' erzählerischen Sog,
dass ich mich nach der letzten Seite einige Tage davon erholen musste.
Wohl auch deshalb, weil das, was hier erzählt wird, so bestürzend gegenwärtig ist:
In Europa brennen die Wälder, Hitze und Dürre plagen Natur und Mensch, das Wasser ist knapp.
Auch die Gegend nördlich von Stockholm ist von den schweren Waldbränden bedroht, aber Didrik und seine Frau verbringen die Ferien mit ihren drei Kindern wie immer im Sommerhaus der Familie.
Doch diesmal können sie die Warnungen der Behörden nicht mehr ignorieren - die Feuer kommen bedrohlich nahe, alle Bewohner:innen werden in letzter Sekunde evakuiert, viele flüchten verzweifelt auf eigene Faust. Auch Didrik und seine Familie geraten in dieses Chaos, und in seinem Bemühen, die Familie zu beschützen, versagt Didrik auf ganzer Linie. Zugleich brechen in dieser Extremsituation auch die Konflikte in seiner Ehe wieder auf, denn nach einer Affäre mit Melissa sehnt sich Didrik eigentlich nach einem anderen Leben.
 
Ebenjene Melissa steht im zweiten Teil des Buches im Mittelpunkt. Sie lebt in Stockholm als Influencerin. Ihr ist das eine Leben das sie hat wichtiger, als der eine Planet auf dem sie lebt, und überhaupt stören Katastrophen nur das Bild von Lebensfreude und Glück, das sie ihren Followern zuverlässig präsentiert. Erstaunlich resilient schafft sie es lange, die rasanten Entwicklungen zu ignorieren.
 
Zu ihrem Umfeld gehört auch Andre, der als Sohn eines einst erfolgreichen Tennisprofis ein viel zu gut ausgestattetes Leben hat. Doch er gehört ebenso wie Vilja, die Tochter von Didrik, zur Fridays-for-Future-Generation - jener Altersgruppe also, die einen anderen Blick hat, und um deren Lebensgrundlagen und Zukunft es derzeit geht.
 
Ein unglaublich spannender Roman, der auch dadurch besticht, dass die vier Protagonist:innen verschiedenen Altersstufen angehören uns also verschiedenen Perspektiven liefern.
 
Der schwedische Autor Liljestrand hat mit der Arbeit an diesem Roman 2019 begonnen, und dachte damals eigentlich, eine Dystopie zu schreiben. Doch inzwischen hat die Realität die Fiktion längst eingeholt.
Trotzdem gelingt es ihm durch eine ordentliche Portion Ironie und schwarzem Humor das Bedrängende der Geschichte immer wieder zu brechen. Und er erlaubt uns auch immer wieder soetwas wie Zuversicht - wenn auch nur im kleinen Karo des Privaten.
 
MEINE GANZ GROSSE EMPFEHLUNG!  (Uscha Kloke)
Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783103971903
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Kategorie: Belletristik

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