Deniz Ohde: Streulicht

Weil eine Schulfreundin von einst heiratet, kommt die Hauptfigur dieses Romans zurück in ihren Heimatort, eine Kleinstadt am Rande eines Industrieparks. Dieser Besuch bei ihrem Vater - die Mutter ist viel zu früh gestorben - wird zugleich zu einer gedanklichen Zeitreise zurück in die Kindheit - eine Kindheit im Deutschland der 90er Jahre - einer Zeit "als die Häuser brannten": Mölln 1992, Solingen 1993, Lübeck 1996.
Als einziges Kind wächst die Protagonistin in einer wortarmen Familie auf. Der Vater malocht im benachbarten Chemiewerk, die Mutter, als junge Frau aus der Türkei nach Deutschland gekommen, gibt sich alle Mühe, die Alkohol- und Gewaltexzesse des Vaters abzufangen und die Fassade der intakten Familie aufrecht zu erhalten.
Die Begabung der Tochter, ihr Bildungshunger, ihre Wachheit - all das findet weder im Elternhaus noch in der Schule Unterstützung, und so wird es ein langer, steiniger Weg, sich aus dem von Ängsten, Scham und Verletzungen geprägten Elternhaus zu lösen, sich selbst etwas zuzutrauen, das Abitur zu machen und ein Studium zu beginnen.

Ein Buch, das die Sollbruchstellen im Leben der Protagonistin ebenso wie in unserer Gesellschaft aufzeigt, ein Buch über die Kluft zwischen Bildungsversprechen und realer Ungleichheit, ein Buch das deutlich macht, dass in unserer Gesellschaft die soziale Herkunft eben immer noch bestürzend relevant ist für den eigenen Bildungsweg.

Eines der wichtigsten Debüts im vergangenen Jahr, das sehr zu recht mit dem Aspekte Literaturpteis ausgezeichnet wurde, und auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreises 2020 stand.

 

 

Ohde, Deniz
Suhrkamp
ISBN/EAN: 9783518429631
22,00 € (inkl. MwSt.)